Meine persönlichen Unwörter des Jahres 2009
Langsam aber sicher neigt sich auch dieses Jahr dem Ende zu und auch wenn mich die tretmühlenartig abgespielten Jahresrückblicke in den großen Fernsehsendern nerven ohne Ende, möchte ich in Anlehnung an das küzlich gekürte Wort des Jahres (in diesem Jahr die Abwrackprämie) bzw. das noch zu vergebende offizielle Unwort des Jahres meine persönlichen Unwörter dieses Jahres küren:
Platz 1: Internetsperren
Auch bekannt unter dem Namen "Netzsperren" oder "Websperren" war dieses Jahr primär das Schlagwort von Politikern der großen Koalition während der Einführung des Zensurerleichterungsgesetzes Zugangserschwernisgesetzes und wurde von so gut wie allen Medien unkritisch übernommen. Da bei diesem Gesetz (das leider immer noch nicht vom Tisch ist) eine große Gefahr besteht, dass es einen Einstieg in die Internetzensur ermöglicht, hat mich die unkritische Übernahme dieses Worts besonders gestört, da es oft als Euphemismus gebraucht wird. Etwas zu sperren ist schließlich längst nicht so schlimm wie Zensur, oder?
Nebenbei bemerkt wurde das selbe Wort gleichzeitig auch für die Abschaltung des Internetzugangs nach mehreren Urheberrechtsverletzungen (französisches "three strikes"-Modell) verwendet, was zusätzlich zur Verwirrung beigetragen hat.
Platz 2: Wachstumsbeschleunigungsgesetz
Bezeichnet das kürzlich nach einigen Verhandlungen verabschiedete Gesetz, das unter Anderem einen niedrigeren Mehrwertsteuersatz für Hotels andere Steuergeschenke der schwarz-gelben Koalition enthält. Dieses Wort steht für mich einerseits wie kein anderes für die Ideologie des ewigen und alleine heilbringenden Wachstums unseres Wirtschaftssystems und andererseits für eine Politik nach dem "Prinzip Hoffnung", die jedweder Vernunft entbehrt.
Platz 3: "geistiges Eigentum"
Das Wort ist als Kampfbegriff verschiedener Industriezweige auf dem internationalen Parkett zwar nicht neu, wurde jedoch auch in diesem Jahr so inflationär eingesetzt, dass es aus meiner Sicht den dritten Platz verdient hat. Es wird nach wie vor verwendet, um verschiedene von ihrer Natur her völlig verschiedene Immaterialgüterrechte über einen Kamm zu scheren, dabei auf eine gezielte Ausweitung dieser Rechte hinzuarbeiten und diese mit dem Eigentum an materiellen Dingen gleichzusetzen. (siehe hierzu auch "Did You Say “Intellectual Property”? It's a Seductive Mirage" von Richard M. Stallman)


1 response to "Meine persönlichen Unwörter des Jahres 2009"
1. Bürgerverdummungsgesetz
Für mich ist das Wachstumsbeschleunigungsgesetz ein Bürgerverdummungsgesetz.
Damit hätten wir dann auch schon mein persönliches Unwort des Jahres.