Weblog
Prozess gegen Jörg Tauss beginnt am 18.Mai
Wie dieser selbst über Twitter bestätigt, wird der Prozess gegen den ehemaligen SPD-Politiker und Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss wegen des Vorwurf des Besitzes kinderpornographischer Dateien am 18.Mai vor dem Landgericht Karlsruhe beginnen.
Zu den genauen Hintergründen der Ermittlungen gegen den mittlerweile zur Piratenpartei übergetretenen Politiker möchte ich an dieser Stelle auf meine vergangenen Blogeinträge verweisen.
Je nachdem, ob man dem ORF oder heise glaubt, sind vier oder fünf Verhandlungstage angesetzt.
Coming soon: Urteil zur Vorratsdatenspeicherung
Einer Pressemitteilung des Bundesverfassungsgerichts zur Folge wird der Mammutprozess rund um die Verfassungsbeschwerde gegen die Vorratsdatenspeicherung in Kürze ein Ende finden. Am 2.März dieses Jahres soll um 10 Uhr das Urteil der Verfassungsrichter verkündet werden.
Welches Ergebnis ich mir dabei erhoffe, muss ich wohl nicht nochmals erwähnen. Sofern das Urteil nicht vorzeitig geleakt wird, dürfen wir gespannt auf den Tag warten. Es ist jedoch relativ wahrscheinlich, dass sich nach dem Urteil beide Seiten mehr oder weniger in ihrem Standpunkt bestätigt fühlen.
Das Windows-Update und das BSoD-Rootkit
Vor kurzem veröffentlichte Microsoft einen Patch zur Behebung eines Fehlers in der Virtuale DOS Machine, der bei einigen Computern zu einem Bluescreen beim Hochfahren und einem sofortigen Neustart führte. Zwar ließ sich der Patch mittels Recovery-CD manuell wieder entfernen, aber diese Variante ist nach meiner Einschätzung nur für etwas versierte Computerbenutzer ein gangbarer Weg, unter Umständen installiert sich das Update automatisch wieder und das Ganze geht von vorne los.
Kurz darauf verbreitete sich das Gerücht, dass eine Rootkit-Infektion für die Fehlfunktion im Zusammenhang mit dem Update verantwortlich wäre.
Da auch ein von mir betreuter Windows XP-Rechner (bei den anderen sind keine automatischen Updates aktiviert, das kann einem auch mal Ärger ersparen, wie man hier sieht) von dem Problem betroffen war, war ich natürlich zunächst besorgt und unterzog den Rechner einem eingehenden Scan nach Malware. Letzendlich stellte sich die gesamte Windows-Installation – vor allem aber auch die betroffene Datei atapi.sys – als sauber heraus.
Ein einziger Rechner reicht natürlich noch nicht aus, um eine sichere statistische Aussage zu treffen. Ich gehe allerdings davon aus, dass ein Rootkit nicht die einzige mögliche Ursache für die Fehlfunktion im Zusammenhang mit den Patch ist und somit nicht jeder Rechner, bei dem das Problem auftritt, automatisch infiziert sein muss, wie das aber leider immer öfters dargestellt wird.
Links der Woche
Da ich leider nicht dazu gekommen bin, ausführlicher zu bloggen, hier mal wieder ein kurzer Linküberblick:
- Die USA machen Druck bei Swift und wollen die EU notfalls ignorieren
- Das FBI möchte in den USA eine Vorratsdatenspeicherung möglicherweise bis auf URL-Ebene einführen
- Cory Doctorrows “Little Brother” wird verfilmt
- Die schwedische Regierung will keine Vorratsdatenspeicherung – aus Angst vor der Piratenpartei
Creative Commons-Spielfilm Valkaama veröffentlicht
Über den Creative Commons-Spielfilm Valkaama habe ich hier ja bereits mehrmals etwas geschrieben. Nach einem langen Entwicklungsprozess wurden heute die finale Version des Films veröffentlicht.
Der Film steht wie auch bereits die vorhergehenden Versionen inklusive Rohdaten unter der Creative Commons by-sa 3.0-Lizenz und kann ab sofort von der Webseite des Films direkt oder per Bittorrent heruntergeladen werden. Untertitel des englisschsprachigen Films stehen bis jetzt für Englisch, Deutsch, Französisch und Polnisch zur Verfügung.
Wer die Macher des Films finanziell unterstützen möchte, kann entweder im Shop eine DVD des Films oder ein Poster in gedruckter oder digitaler Form erwerben oder direkt per Paypal spenden.
Als Appetitanreger hier ein (wenn auch schon etwas älterer) Trailer zum Film (steht ebenfalls unter cc by-sa):
Das Ringen um einen Videostandard im Internet geht in die nächste Runde
Lange Zeit gab es keinen einheitlichen Standard für das Einbinden von Videodateien in Webseiten. Unter verschiedenen Konkurrenten (unter Anderem: Real Player, Windows Media Player, Quicktime, …) hat sich über die Jahre Flash als am weitesten verbreitete Variante durchgesetzt. Mittlerweile existiert mit dem video-Element von HTML5 eine standardisierte Alternative, die jedoch erst langsam Verbreitung findet.
Dort ergibt sich trotz Unterstützung im Großteil der populären Browser das grundlegende Problem, das nicht jeder Browser mit jedem Codec umgehen kann. Im wesentlichen stehen sich dort heute h264 (unterstützt von Google Chrome und Apple Safari) und theora (Mozilla Firefox, Google Chrome, zukünftig Opera) gegenüber, die beide aus verschiedenen Gründen ihre Befürworter haben.
Nachdem Google bekannt gab, seine Videoplattform Youtube überarbeiten zu wollen und dafür um die Meinung der User bat, stand die Unterstützung von HTML5 zum Anschauen von Videos ohne zusätzliches Plugin ganz oben auf der Liste. Google reagierte prompt und bietet seit kurzem unter youtube.com/html5 die Möglichkeit, einen experimentellen HTLM5-Player zum Ansehen der Videos zu aktivieren.
Ebenso wie das Videoportal Vimeo, das diese Option ebenfalls vor Kurzem einführte, setzt Youtube dabei auf den h264-Codec und nicht das freie theora. Dieser Entscheidung liegt eine gewisse Logik zugrunde, da die Videos ohnehin für den Flash-Player in h264 vorliegen und so eine aufwändige Neukodierung entfällt, schränkt jedoch die Zugänglichkeit auf 2 Browser (Safari unter Mac OSX und Google Chrome) ein und enttäuscht die Erwartungen vieler, die sich von Youtube Impulse für die lizenzgebührenfreien Codecs des Xiph-Projekts erhofft hatten.
Mittlerweile haben sich rund um die theora-Gemeinde und die playogg-Kampagne der Free Software Foundation zwei Petitionen gebildet, die von Google die Unterstützung für freie Codecs fordern.
Der alltägliche Kampf gegen den Blogspam
Jeder Blogger wird, sobald sein Blog etwas bekannter wird, Besuch von Spambots erhalten, die jede Menge Kommentare mit Werbung und Links zu zweifelhaften Seiten erhalten und absolut nichts mit den Themen der jeweiligen Artikel zu tun haben. Dass man das nicht nur seinen Besuchern bzw. Lesern ersparen, sondern auch das zufüllen der eigenen Datenbak mit solchem Spam vermeiden möchte ist eigentlich selbstverständlich.
Im Rahmen der von toscho losgetretenen Inititative möchte ich hier auch kurz über meine Bemühungen gegen den Spam und die von mir momentan eingesetzte Lösung schreiben.
Zu Beginn hatte ich an sich garkeine besonderen Antispam-Systeme im Einsatz ich habe einfach sämtliche Kommentare im Blog moderiert (was ich zur rechtlichen Absicherung auch heute noch tue) und dabei dann den Spam aussortiert. Diese Lösung hat natürlich einen gewaltigen Haken: Sie skaliert nicht. Spätestens nachdem ich nach nur ein paar Tagen hunderte an Spamkommentaren manuell löschen musste, musste eine neue Lösung her. Nach einigem Suchen bin ich dann auf das Wordpress-Plugin NospamNX von Sven Kubiak gestoßen. Das Plugin steht unter GPL und lässt sich durch einfaches kopieren in den Plugin-Ordner installieren.
Die Funktionsweise des Plugins ist ebenso einfach wie effektiv. Dem Kommentarformular wird ein weiteres Feld hinzugefügt, das per CSS direkt wieder versteckt wird. Für normale Blogkommentatoren ist somit kein Unterschied erkennbar, ihr Browser zeigt das Feld nicht an, also können sie es nicht ausfüllen und es bleibt bei legitimen Kommentaren in der Regel leer. Den Lesern bleiben somit nervige Maßnahmen wie Captchas erspart, die die Zugänglichkeit mindern und das Kommentieren erschweren.
Spambots hingegen sind meist nicht in der Lage, das CSS richtig zu interpretieren und füllen automatisiert alle Felder inklusive dem versteckten aus. Daran erkennt das Plugin dann, dass es sich um einen Bot handelt und sortiert den Kommentar als Spam aus oder (je nach Konfiguration) blockiert ihn direkt.
In der Praxis funktioniert das System nach meiner Erfahrung sehr gut. Je nachdem, wie viele Artikel ich hier schreibe, können innerhalb von ein paar Tagen bis Wochen hier im Blog mehrere hundert Spam-Kommentare auflaufen. Momentan beschränkt sich meine Arbeit darauf, diese auf legitime Kommentare zu überliegen und in regelmäßigen Abständen zu löschen.
Nicht darüber automatisch aussortierte Kommentare sind nichtautomatisierter Spam (bei mir maximal 3 Kommentare im Jahr) und Pingbacks bzw. Trackbacks. Zu den weiteren Nachteilen des Systems zählt leider, dass es sich nicht mit dem OpenID-Plugin für Wordpress verträgt. Jeder über OpenID authentifizierte Kommentar wird aufgrund der Änderung des Namens als Spam aussortiert, obwohl ich diese Kommentare im Gegenteil gerne direkt freigeschaltet sehen würde. Nach Aussage des Autors wird sich diese Situation leider auch in nächster Zeit nicht ändern. Da es leider keine vergleichbaren Plugins (abgesehen von Anti Spam Bee, das bei mir im Test den selben Fehler erzeugt) gibt und ich auf jeden Fall eine Lösung haben möchte, bei der die Kommentare nicht an externe Server senden möchte, werde ich vorerst mit diesem Mangel leben.
Nun habe ich viel über Wordpress geschrieben, mein zweites Blog betreibe ich jedoch mit Drupal. Dort ist es mir leider bisher nicht gelungen, eine ähnlich leistungsfähige Lösung zu finden. Das Spam-Modul bietet zwar diverse Möglichkeiten zur Filterung von Spam, funktionierte jedoch in meinem Test sehr schlecht und löschte im Extremfall sogar legitime Kommentare, die keinerlei Spam-Charakteristika aufwiesen. Die andere Möglichkeit, Spamicide, funktioniert zwar ähnlich wie NospamNX für Wordpress, bietet mir jedoch zu wenige Konfigurationsmöglichkeiten, so dass ich die Kommentare nicht mehr sinvoll kontrollieren könnte. Somit bin ich dort wie oben beschrieben momentan auf die manuelle Ausfilterung von Spam angewiesen.
Soweit mein Einblick in die Spambekämpfung in Blogs. Ich freue mich auf weitere Artikel über die Spmabekämpfung vielleicht auch abseits von Wordpress.
Tinyogg: Webseite befreit Youtube-Videos
Auch wenn mittlerweile mit dem Video-Element aus grundsätzlich eine Möglichkeit besteht, Videos direkt im Browser wiederzugeben, setzt die nach wie vor weltweit beliebteste Video-Webseite Youtube wie viele weitere nach wie vor auf die Einbindung von Videos per Flash-Plugin. Auch wenn diese Möglichkeit für viele Nutzer funktioniert, basiert sie jedoch nicht auf offenen Standards und lässt Menschen, die kein Flash-Plugin benutzen können oder wollen außen vor.
Eine interessante Alternative zu diesem Modell bietet seit kurzem die Webseite Tinyogg.com. Dort kann man die URL eines beliebigen Youtube-Videos angeben, das dann automatisiert heruntergeladen und konvertiert wird und anschließend zur direkten Wiedergabe in einem kompatiblen Browser, dem Download auf den eigenen Rechner oder das Einbetten in die eigene Webseite zur Verfügung steht. Die Konvertierung geht abhängig von der Anzahl noch in der Warteschlange vorhandener Videos unterschiedlich schnell vonstatten und produziert Videos von relativ hoher Qualität, vorausgesetzt das Quellvideo liegt in entsprechender Qualität vor.
Der Dienst setzt auf eine Zahl vorhandener freier Software auf, der Quellcode soll den Angaben auf der Webseite zufolge “so bald wie möglich” veröffentlicht werden, so dass das Konzept dann für eigene Zwecke adaptiert und weiterentwickelt werden kann.
Opera 10.50 implementiert HTML5 video-Element
Pünktlich zum Jahreswechsel haben die Opera-Entwickler eine erste Vorschau auf die kommende Browserversion 10.50 für GNU/Linux und Windows veröffentlicht. Es handelt sich dabei um eine als Pre-Alpha gekennzeichnete sehr frühe Entwicklerversion, die noch nicht für den produktiven Einsatz gedacht ist, jedoch bereits einen Überblick über die neuen Funktionen der Version liefert.
Vor allem Gnome- und andere nicht-KDE-Nutzer wird die Tatsache freuen, dass Opera sich mit diesem Release von der Abhängigkeit zu Qt verabschiedet. Die bisher mit Qt umgesetzten Funktionen werden zukünftig über eine eigene Bibliothek realisiert, in der finalen Version sollen dann Qt oder GTK je nach Umgebung optional geladen werden, um eine bessere Integration in die Desktopumgebung zu ermöglichen. Bisher ist diese Funktion nur für GTK teilweise umgesetzt.
Die zweite größere Änderung ist die Wiedereinführung des video-Elements aus HTML5, das bereits in einer früheren experimentellen Opera-Version umgesetzt worden war. Hier haben sich die Entwickler für das gstreamer-Framework entschieden, so dass unter GNU/Linux alle Codecs abgespielt werden können, für die die entsprechenden gstreamer-Plugins installiert sind. Unter Windows wurde eine minimale gstreamer-Installation in den Browser integriert, die das Abspielen von ogg-Dateien mit den dort gängigen Codecs theora und vorbis unterstützt. Für Mac OS X ist die Videountersützung bis jetzt noch nicht umgesetzt.
Auch wenn bis zur stabilen Version und damit einer stabilen Videounterstützung in Opera noch etwas Zeit vergehen wird, wird Opera damit neben Firefox (ogg), Safari, (h264, ogg zusätzlich installierbar) und Google Chrome (h264 und ogg) der vierte größere Browser sein, der das Video-Element unterstützt und es damit einer breiteren Nutzerbasis verfügbar macht.
Binärpakete der Pre-Alpha stehen für Windows, Mac OS X, sowie GNU/Linux und FreeBSD zum Download bereit, sind jedoch im Moment wirklich nur erfahreneren Nutzern zum Ausprobieren zu empfehlen, da sie unter Umständen garnicht erst starten. (So ging es mir mit den Linux-Builds, das Windows-Build lief dann aber in einer virtuellen Maschine)
Wordpress 2.9.1
Nein, das wird jetzt hier kein reines Release-Ankündigungs-Blog für Wordpress, in den nächsten Tagen werde ich hoffentlich wieder etwas mehr zum Bloggen kommen, aber die Wordpress-Entwickler lassen einen als Blogger nicht zur Ruhe kommen und haben mal wieder eine neue Version veröffentlicht.
Primär wurden dieses Mal diverse Bugs der letzten Version korrigiert, wer noch eine ältere Version laufen und damit keine Probleme hat, muss also nicht zwingend updaten. Die aktuelle deutschsprachige Version sowie das Updatepaket findet man wie immer bei Wordpress Deutschland.
Wordpress 2.9 ist da
Nach einer etwas längeren Entwicklungszeit haben die Entwickler heute das nächste Update für die Blogsoftware Wordpress veröffentlicht. Da meine Versuche, das Blog in Drupal zu importieren, bisher leider nicht besonders erfolgreich verlaufen sind und keine andere Alternative (s9y erfüllt meine Anforderungen nicht) in Sicht ist, habe ich beschlossen, ohne grundsätzliche Notwendigkeit auf die neueste Version upzudaten, da künftige Sicherheitsupdates wahrscheinlich darauf aufbauen werden und ich das System vorerst nicht selber Patchen möchte.
Für mich hauptsächlich interessant sind in dieser Version der neu eingebaute “Papierkorb”, über den man gelöschte Artikel wiederherstellen kann und die eingebauten rudimentären Bildbearbeitungsfunktionen, auch wenn ich mich bei Letzteren ernsthaft frage, was das in einer Blogsoftware zu suchen hat. Weiterhin neu eingebaut wurden beispielsweise Artikelbilder, eine neue Methode zum einbinden von Videos und die Möglichkeit zur Massenaktualisierung der Plugins. Eine vollständige Liste der neuen Features findet sich im Entwicklerblog oder in der deutschen Übersetzung bei Wordpress Deutschland. (dort findet man auch wie üblich die aktuelle deutschsprachige Version und die Sprachdatei)
Soweit ich das bis jetzt beurteilen kann, ist das Update in meinem Blog absolut reibungslos verlaufen und auch alle Plugins arbeiten mit der neuen Version wie gewohnt zusammen. Oberflächlich bemerkt man zunächst auch keine großartigen Veränderungen, der Großteil der Änderungen scheint also seine Arbeit unter der Haube zu verrichten.
Google Wave: Revolution, Evolution oder reiner Hype?
Schon vor einiger Zeit gingen Gerüchte durch die unterschiedlichen Kanäle des Internets, dass Google am “nächsten großen Ding” namens Wave arbeite und das so ziemlich die beste Erfindung seit geschnitten Brot wäre. Wave hat also schon vor dem Start der teilöffentlichen Betaphase einiges an Vorschusslorbeeren geerntet, auch wenn einem zu diesem Zeitpunkt kaum Jemand erklären konnte, was Wave genau eigentlich ist. Nachdem vor Kurzem die Betaphase gestartet ist und diese ähnlich wie bei gmail über Einladungen teilöffentlich gestartet wurde, habe ich das zum Anlass genommen, mir Wave mal genauer anzusehen.
Google versucht mit Wave eine Verschmelzung von bekannten Kommunikationsmöglichkeiten wie Email, Chat, Foren, Wikis und weitere basierend auf XML und dem XMPP-Protkoll. Logt man sich bei Google Wave ein, (was momentan nur mit einer Einladung und einem Google-Konto möglich ist) kriegt man zunächst eine dreispaltige, ziemlich übersichtlich gestaltete Oberfläche zu sehen, die zunächst an einen Emailclient erinnert. Die sonst auch bei Emails üblichen Ordner sind vorhanden und in der unteren linken Leiste befindet sich eine Kontaktliste, wie man es von Chatprogrammen kennt.
Um nun mit der Benutzung von Wave zu beginnen, muss man zunächst eine neue “Wave” öffnen, idealerweise selbstverständlich mit einem oder mehreren Gesprächspartern. Darin kann man dann Nachrichten schreiben, die nahezu in Echtzeit auch beim Empfänger der Nachricht Zeichen für Zeichen erscheinen. Um solche Funktionen umzusetzen ist natürlich ein exzessiver Gebrauch von Javascript erforderlich, was die Sache auch manchmal etwas zäh werden lässt und zu Kompabilitätsproblemen führt, so funktioniert die aktuelle Version beispielsweise nicht im Internet Explorer, empfohlen werden Firefox, Chrome oder Safari in der jeweils aktuellen Version. Neben dem normalen eingeben von formatiertem oder unformatieretemText unterstützt Google auch beispielsweise das einbinden von Bildern oder Youtube-Videos.
Um zu antworten kann man beispielsweise den Post editieren, direkt darauf antworten oder auch eine neue Nachricht in die Wave schreiben. Je nach persönlicher Nutzungsweise hat man so eine längere Konversation mit langen Nachrichten, Chatähnlich kurze Antworten oder einen Usenet-ähnlichen Threadbaum. Jede einzelne Änderung in der Wave kann man sich dann auch noch in einem “Replay”-Modus im chronologischen Verlauf anzeigen lassen.
Somit vereint Google Wave also tatsächlich die Funktionalität zahlreicher Dienste in sich, vom Adressbuch eines Emailclients über die Echtzeitkommunikation von Instant Messengern bis hin zur Editierbarkeit von Wikis und stellt damit aus meiner Sicht eine extrem flexible Kommunikationsmöglichkeit dar. Natürlich ist aber wie immer nicht alles Gold, was glänzt. Aus meiner Beschreibung kann man ja schon entnehmen, dass jedes einzelne Detail der Kommunikation auf dem Google-Server gespeichert wird und man komplett die Kontrolle über seine Daten verliert, was auch schon beispielsweise vom BSI kritisiert wurde.
Da Wave grundsätzlich auf freier Software und freien Protokollen basiert, wird es zwar in absehbarer Zeit möglich sein, eigene Wave-Server zu betreiben und damit die Situation etwas zu entschärfen, jedoch ändert das am Grundproblem der serverseitigen Speicherung zahlreicher Daten nichts.
Zusammenfassend würde ich sagen, dass Google Wave einen durchaus sinnvollen und vor allem sehr flexiblen Ansatz zur Kommunikation im Internet darstellt. Der Mehrwert ist jedoch aus meiner Sicht nicht so groß, dass es sich lohnen würde, von anderen Möglichkeiten auf Wave umzusteigen und die momentan vorhanden Datenschutzprobleme machen es zumindest für mich generell unattraktiv. Auch stellt sich mir die Frage, ob es tatsächlich nötig ist, die momentan verwendeten Technologien für eine alles erschlagende Lösung wie Wave aufzugeben oder ob eine clientseitige Vereinigung wie beispielsweise im (leider noch unausgereiften) Mozilla Raindrop nicht vielversprechender wäre.
Mininova gibt vorläufig auf
Auch wenn für Filesharing nach wie vor das Hydra-Prinzip gilt, scheinen die Vertreter der Content-Industrie in letzter Zeit immer wieder Erfolge gegen größere Filesharingseiten verbuchen zu können. Nach der offiziellen Abschaltung des Piratebay-Trackers, knickte nun mit Mininova eine der beliebtesten Torrent-Indexseiten ein und entfernte den Großteil der von Nutzern hochgeladenen Torrents von der Seite.
Lediglich die 100% legalen Angebote des hauseigenen Content Distribution-Dienstes sind weiterhin auf der Seite verfügbar und stellen nun das Kerngeschäft der in den Niederlanden beheimateten Firma.
Mininova hatte über einen längeren Zeitraum den Upload jeglicher Torrent-Dateien, die jeweils Meta-Informationen über eine oder mehrere Dateien und den Tracker enthalten, nicht jedoch urheberrechtlich geschützte Daten erlaubt und zum Schluß mit Filtersystemen experimentiert, um den Forderungen der Industrie gerecht zu werden, konnte sich damit jedoch vor Gericht nicht durchsetzen.
Die Betreiber wurden zuletzt in Utrecht dazu verurteilt, alle Torrents mit urheberrechtlich geschützten Inhalten von der Seite zu entfernen, ansonsten hätten hohe Geldstrafen gedroht. Da es nicht möglich war einen hundertprozentig perfekten Filter gegen den Upload urheberrechtlich geschützter Inhalte zu entwickeln, entschlossen sich die Betreiber nun zu dem radikalen Schritt.
Es bleibt nun abzuwarten, ob Mininova den Sprung zur digitalen Distributionsplattform für verschiedenste freie Inhalte schafft oder durch das Wegfallen des Großteils der Torrents unattraktiv wird und stark an Bedeutung verliert. Die Benutzer, die an urheberrechtlich geschützten Dateien interessiert sind, werden sich jedenfalls andere Plattformen such und keineswegs ihr Tun einstellen, wie die Industrie das gerne hätte.
Kurz notiert: Google Wave
Dank Ivo habe ich mittlerweile auch einen Google Wave Account und werde das Ganze in den nächsten Tagen mal testen und darüber berichten. Bis jetzt ist der Eindruck etwas gemischt, als vorläufiges Fazit würde ich sagen, keine Revolution, aber durchaus sinnvolle Ansätze zur Kommunikation.
Nach dem bei Google üblichen Schneeballsystem kann ich jetzt natürlich auch Einladungen vergeben. Wer eine braucht, kann mir eine Email schreiben oder einfach hier mit einer validen Emailadresse kommentieren.
Update: Die ersten 4 Einladungen sind raus. Damit habe ich im Moment noch 4 weitere übrig. Ich aktualisiere die Zahl hier immer mal wieder, wenn ich neue erhalte oder keine mehr übrig sind.
The Pirate Bay schaltet Tracker offiziell ab
Nachdem der geplante Verkauf an die Firma Global Gaming Factory X vor kurzem gescheitert ist und der Tracker kürzlich auch stark unter Beschuss geriet, haben die Betreiber heute in ihrem Blog die offizielle Abschaltung des Trackers angekündigt.
Als Grund dafür geben Sie nicht etwa die fortgeführten Prozesse der Contentindustrie an, sondern die Annahme, dass trackerlose Technologien wie DHT und PXE mittlerweile weit genug fortgeschritten sind, dass Torrents nicht mehr von zentralen Trackern abhängig sind.
Um diese auch einsetzen zu können, wurden zusätzlich zu den bisher vorhandenen Torrent-Dateien Magnet-Links auf den Seiten plaziert, mit denen die relevanten Daten direkt in den Torrent-Client geladen werden können, ohne dass ein Download der Torrent-Datei notwendig ist. Die Webseite der Piratenbucht ist also von der Abschaltung nicht betroffen, das schon vorhandene Torrent-Verzeichnis wird weiterbetrieben. Somit kann von einem Ende der Piratenbucht, wie es die Musik- und Filmindustrie gerne sehen würde, keine Rede sein.
Zweifel an der Absicht der Torrentpiraten zur Trackerabschaltung lassen allerdings die Tatsache aufkommen, dass der Tracker von OpenBittorrent weiterhin aktiv ist und in den Magnet-URLs die Tracker-URL von PublicBT übergeben wird.
OpenBittorrent war kurz nach Bekanntgabe des Verkaufs der Piratenbucht gestartet und lieferte bis zuletzt die selben Torrents aus, wie zuvor der Tracker von The Pirate Bay. Zeitweise verwies der Tracker sogar direkt auf die selbe IP-Adresse wie The Pirate Bay, die Tracker-URL wurde automatisch in Torrents auf The Pirate Bay eingefügt und es gab Hinweise, dass einer der Gründer an OpenBittorrent beteiligt war.
Ähnlich sieht es nun bei PublicBT aus. Nicht nur, dass beide Seiten eine frappierende Ähnlichkeit aufweisen, die Tracker-Adresse von PublicBT wird momentan ebenso wie die Tracker-Adresse der Piratenbucht zum holländischen Provider Leaseweb aufgelöst. Natürlich sind das nur Hinweise und eine Beteiligung der Piratebay-Macher lässt sich momentan nicht nachweisen, das Tracking der Torrents scheint jedoch auf jeden Fall auch nach Abschaltung der Tracker-URL unter thepiratebay.org zu funktionieren. Ob dezentrale Methoden den Tracker bei Bittorrent dauerhaft ersetzen können, muss sich noch zeigen. Bis jetzt fehlt es auf jeden Fall noch an einem dezentralen Torrentverzeichnis.

